Ehrliche Lautsprecher.

Günther Nubert über Bass-Optimierung

 
Interview mit Günther Nubert

 

?: In über 40 Jahren Forschung und Entwicklung auf dem Lautsprechersektor haben Sie einiges erreicht: Testsiege, Auszeichnungen und wirtschaftlichen Erfolg. Fällt es da nicht schwer, sich täglich immer wieder neu zu motivieren?

GN: Überhaupt nicht. Die Forschung auf dem Gebiet der Schallwandlung und die Entwicklung neuer Lautsprecher ist eine nie endende Herausforderung. Wir haben ja den Ehrgeiz, immer bessere Lautsprecher zu bauen. Da ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Und solange uns die Ideen für weitere Verbesserungen nicht ausgehen, mache ich mir um unsere Motivation keine Sorge.

?: An welche Ideen denken Sie?

GN: Nun, über ungelegte Eier soll man bekanntlich nicht reden, aber nehmen Sie zum Beispiel die Optimierung der Basswiedergabe mit externen Modulen, mit der wir vor einigen Jahren begonnen haben. Die Basis dafür waren die ständig weiterentwickelten Tiefton-Lautsprechersysteme in Verbindung mit unseren ABL- und ATM Modulen. Damit konnte die Klangperformance eines an sich sehr guten Lautsprechers nochmals deutlich verbessert werden. Es gelingt nun, mit unseren Kompaktboxen eine Tiefbasswiedergabe zu realisieren, für die man ansonsten mehr als doppelt so große Gehäuse benötigen würde.
Aber auch unsere Standboxen, die ja ohnehin schon sehr basstüchtig sind, erreichen mit ATM-Modul einen Tiefgang, den sonst nur sehr gute Subwoofer liefern. Dabei klingen die Lautsprecher mit ATM bei impulsiver Musik natürlicher und schneller als typische Woofer-unterstützte Boxen.

?: ... klingt ja fast so, als wollten Sie Ihre eigenen Subwoofer "kannibalisieren"...

GN: Keineswegs. Gerade unsere Subwoofer haben in zahlreichen Tests bewiesen, dass sie zum Besten gehören, was der Markt zu bieten hat. Aber ich habe nie einen Hehl aus meiner Überzeugung gemacht, dass eine im Bass gut konstruierte Standbox homogener klingt als eine Sub/Sat-Kombination.

?: Das hört sich ja mal wieder nicht gerade nach Mainstream-Meinung an.

GN: Ja, aber diese Erfahrungswerte werden auch von den „Spezialisten“ aus unserem Kundenkreis gestützt, mit denen wir zum Beispiel über unser „nuForum“ einen regen Erfahrungsaustausch pflegen. Bei aller Liebe zu tiefen Bässen: Durch die Kombination eines Subwoofers mit den Hauptboxen kann die Homogenität des Klangbildes leiden. Stellen Sie sich nur einmal vor, Subwoofer und Satelliten strahlen einen Ton, sagen wir um 80 Hertz, gemeinsam ab. Die steilflankige Frequenztrennung zwischen Boxen und Woofer ist nicht so perfekt, wie es immer wieder beschrieben wird. Selbst Fachleute haben oft nicht im Bewusstsein, dass sich durch diese Filterung nur deshalb ein sauberer Frequenzgang ergibt, weil der Bass eine ganze „Wellenlänge“ - also mehrere Meter - hinter den Hauptboxen hinterherhinkt! Techniker sprechen hier von unterschiedlichen Gruppenlaufzeiten.
Bei langsam ein- und ausschwingenden Tönen und bei Surround-Effekten ist das nicht so wichtig, bei Bassimpulsen aber deutlich hörbar. Der Anschlag einer Basstrommel ist dann nicht so impulsiv wie es sein könnte. Dieser Verzögerungseffekt ist bei Sub/Sat-Kombis durch den Einsatz von speziellen Digitalen Signalprozessoren kompensierbar. Dabei wird das Hauptboxensignal um die Laufzeit einer Wellenlänge zwischengespeichert und an den Woofer angepasst. Mit unsere nuLine AW-1300 DSP oder unserem nuControl-Vorverstärker lässt sich so ein System perfekt abstimmen.
In Standlautsprechern ist dieses Problem wegen der flacheren Filterung auch ohne DSP lösbar. Im zweikanaligen HiFi-Bereich ziehe ich deshalb einen guten Standlautsprecher einer Sub/Sat-Kombi vor. Immerhin schafft unsere nuVero 140 echte 25 Hertz!
Bei Kompaktlautsprechern sieht die Sache natürlich anders aus. Wenn höhere Basspegel gefordert werden, als der kleine Tieftöner verarbeiten kann, muss man zwischen Bassfülle und höchster Impulspräzision einen Kompromiss finden. Mit einem guten Subwoofer kommt man zu einem kräftigen Tiefbass. Ein Paar nuBox 313 zusammen mit dem Subwoofer nuBox AW-443 ist da für knapp über 700 Euro schon eine tolle Sache.

?: Sie stimmen aber zu, dass im Heimkinobereich ohne leistungsstarken Subwoofer nichts geht.

GN: So absolut würde ich das nicht sagen, aber viele Kinofilme sind im Bass extrem abgemischt. Ein Subwoofer bringt den „gefühlten Druck“ solcher Filmeffekte preisgünstiger rüber als ein voluminöses und leistungsfähiges Standlautsprecherpaar, das ja auch einen deutlich kräftigeren – und damit teureren – Verstärker erfordert.
Es gibt auch nicht allzu viele Standboxen, die unter 30 Hertz ähnlich druckvolle Bässe liefern können wie ein großer Subwoofer.

?: ... und wenn bei diesen Bässen der ganze Raum dröhnt?

GN: Für viele Heimkinofans gehört auch das dazu. Allerdings wissen nur wenige, dass es sich dabei oft nur um Dröhnen handelt, das mit dem eigentlichen Bass gar nichts zu tun hat. Diese Dröhnfrequenzen, auch Raummoden genannt, treten praktisch in jedem Raum auf und entstehen durch Reflexionen und mehrfache Überlagerungen von Schallwellen zwischen parallelen Wänden. Dabei können sie sich zu starken Überhöhungen aufschaukeln, die den beschriebenen Dröhneffekten entsprechen. Aber auch das Gegenteil, also echte „Löcher“ im Bass, ist möglich, wenn Wellen sich gegenseitig auslöschen. Kurzum, Raummoden sind vor allem bei Musikwiedergabe ein echtes Problem und verschlechtern das gesamte Klangerlebnis ganz massiv.

?: Dann könnten Sie mit dem Verkauf von Bassabsorbern ja ein gutes Zusatzgeschäft machen.

GN: Keine schlechte Idee, die leider einen ziemlichen Pferdefuß hat. Um Basswellen zu kontrollieren, müsste man nämlich das Zimmer entweder mit riesigen Hohlkörpern, sogenannten Helmholtz-Resonatoren oder Plattenabsorbern zustellen. Man könnte auch mehrere Meter lange Keile an den Wänden befestigen, wie man sie von schalltoten Räumen kennt. Ob ein solcher Raum noch besonders einladend wirken würde, wage ich zu bezweifeln.

?: Klingt so, als wären Sie in puncto Raummoden mit Ihrem Latein am Ende?

GN: Wir haben uns vor allem in den letzten Jahren intensiv mit dem Thema Raummoden beschäftigt und vor einigen Jahren eine Lösung gefunden, die nicht nur unglaublich gut funktioniert, sondern auch noch raumverträglich ist: das „Double Bass Array“, oder kurz auch DBA.

?: Können Sie das näher erläutern?

GN: Ja, klar. Beim Double Bass Array kommen an der Front- und Rückseite des Raums jeweils zwei Subwoofer zum Einsatz, die über einen digitalen Prozessor miteinander verbunden sind. Wenn nun die vorderen Subwoofer einen Ton in den Raum schicken, wartet der Prozessor die Zeit ab, die dieser Ton benötigt, um vom vorderen Ende des Raums zum hinteren zu gelangen. Genau dann bekommen die hinteren Subwoofer dasselbe Signal, allerdings um 180 Grad phasenverschoben. Das bedeutet, dass die Membranen der hinteren Woofer das von vorne kommende Signal in dem Augenblick sozusagen „aufsaugen“, wenn es auf die Rückwand treffen würde. Der Effekt ist der gleiche, als hätte der Raum gar keine Rückwand mehr. Die Basswelle kann also nicht reflektiert werden und „stehende Wellen“ bilden.
Wer einmal erlebt hat, wie echter Tiefbass ohne Dröhnung klingt, wird auf diesen Zuwachs an Klangqualität nicht mehr verzichten wollen.

?: Vier Subwoofer sind nicht gerade wenig...

GN: ... aber eine wirklich gute Lösung, die weit besser funktioniert als alle anderen praktikablen Möglichkeiten, die wir kennen. Das DBA-Prinzip funktioniert übrigens auch mit zwei bassstarken vorne aufgestellten Standlautsprechern und mit zwei kleineren Subwoofern hinten - wenn auch nicht ganz so perfekt.

?: Zum Verständnis. Wird der Klang nicht bassschwach, wenn die Basswellen neutralisiert oder weggesaugt werden?

GN: Nein. Die Wellenfront der vorderen Basslautsprecher kann den Raum ja ungehindert durchlaufen. Das DBA-System verhindert nur, dass sich die Wellen zwischen den Wänden aufschaukeln und dadurch einzelne Frequenzen stark überhöht und an anderen Stellen im Raum ausgelöscht werden. Es stellt für Hifi- und auch Heimkinosysteme einen enormen Fortschritt dar.

?: Apropos Heimkino. Hier sind die Anforderungen an ein Lautsprechersystem ja völlig anders als im Hifi-Zweikanal-Bereich.

GN: So pauschal würde ich das nicht sagen. Grundsätzlich müssen Lautsprecher in einer Surround-Konfiguration auch nichts anderes machen als Lautsprecher in einem Stereosystem, nämlich Schall abstrahlen. Einem gut konstruierten Lautsprecher ist es egal, ob er Beethovens Neunte, Robbie Williams oder Star Wars wiedergeben soll. Wichtig ist vor allem, dass die Lautsprecher in einem Surround-Set tonal gleich klingen – ein Kriterium, auf das wir bei der Entwicklung unserer Lautsprecher extremen Wert legen.

?: Vielfach herrscht die Überzeugung vor, nur mit THX-zertifizierten Boxen wäre der wahre Kinoklang möglich.

GN: Leider wird beim Thema THX vieles missverstanden oder auch nicht neutral genug informiert. THX war zunächst ein Ansatz, einen gewissen Qualitätsstandard für die Kinotechnik zu schaffen und die akustischen Probleme in Kinosälen zu mindern, damit Filme in Dolby-Technik eindrucksvoll rüber kommen. Ein Kinosaal ist aber kein Wohnzimmer. Deshalb waren die Vorgaben von THX Ultra für normale Wohnzimmer nicht wirklich sinnvoll und zum Teil sogar störend. Nach Einführung von THX Ultra II, das näher am HiFi-Gedanken liegt, sind die Ergebnisse für Musikwiedergabe schon besser. Die THX-Select- oder gar THX-Multimedia-Versionen verlangen kaum noch etwas, das ein durchschnittlicher Lautsprecher nicht ohnehin zu leisten vermag. Wir bevorzugen die Entwicklungen, die dem eigentlichen Ziel „höchste Wiedergabetreue“ - also dem HiFi-Gedanken - näher sind.

?: Wenn ich Sie richtig verstehe, hätten Sie eigentlich nichts gegen einen Standard für Heimkinoklang einzuwenden?

GN: Nein, aber ein allgemeingültiger Standard, der von den besten Entwicklern in Kooperation ausgetüftelt und verabschiedet würde, bleibt wohl eine Utopie. In der Nubert Speaker Factory haben wir uns auf unseren hauseigenen Standard geeinigt, der sich von unseren extrem hohen Anforderungen an Klangqualität ableitet. Sie erkennen ihn an der geschützten Marke Nubert Hifi-Surround®. Was es damit im Detail auf sich hat, wird in unserem dazugehörigen Text beschrieben. Er ist hier auf unserer Webseite zu finden.


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