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Keine Kompromisse

 
Interview mit Günther Nubert

?: Viele HiFi-Fans sind davon überzeugt, dass eine Frequenzweiche nicht mehr als vier bis sechs Bauteile benötigt. Jedes zusätzliche elektrische Bauteil verschlechtere aufgrund seiner prinzipbedingten Nebenwirkungen den Klang. Warum besitzen Ihre Weichen dann so viele Bauteile?

GN: Grundsätzlich gilt bei uns die Devise: so wenig wie möglich, so viel wie nötig. Auch mir wäre lieber, mit vier oder sechs Bauteilen auskommen zu können – nicht zuletzt aus Kostengründen. Wer aber die vielfältigen Probleme einer Box konsequent lösen will, kann eine solche Miniweiche guten Gewissens nicht einbauen.

?: Welche Probleme meinen Sie?

GN: Die Membran eines Lautsprecherchassis soll exakt im Takt der elektrischen Signale des Verstärkers schwingen. Würde man den Verstärkerstrom aber über ein einzelnes Weichenbauteil auf die Membran loslassen, benähme sie sich wie ein Anhänger, der nur mit einer Gummideichsel am Lastwagen hängt. Der Anhänger ließe sich weder kontrolliert beschleunigen noch abbremsen. Ziel ist es natürlich, Zugmaschine und Hänger, sprich Verstärker und Lautsprecher, so „starr“ aneinander zu koppeln, dass Beschleunigungs- und Bremskräfte verlustfrei umgesetzt werden können. Nun können Sie die Gummideichsel aber nicht einfach durch eine starre Verbindung ersetzen, sondern Sie müssen die Elastizität durch zusätzliche Mittel kompensieren.
Als zusätzliche Mittel bei einem Lautsprecher stehen Spule, Kondensator und Widerstand zur Verfügung, die innerhalb der Frequenzweiche optimal abgestimmt werden müssen. Ein weiteres Problem besteht darin, dass ein Chassis nicht alle Frequenzen gleich gut wiedergeben kann, genauso wenig, wie ein Geiger ein komplettes Orchester ersetzt. Deshalb dröselt die Frequenzweiche den Verstärkerstrom in einzelne Frequenzbereiche auf und schickt sie dann zu Hoch-, Mittel- und Tieftöner. Mit einer optimierten Weiche werden dann auch die Nichtlinearitäten der Lautsprecher kompensiert. Die Übergänge zwischen zwei Chassis müssen so nahtlos wie möglich gestaltet werden. Wenn die Frequenzen richtig verteilt sind, müssen die Membranen der Chassis auch noch „im Gleichschritt“ schwingen, also mit gleicher Phasenlage. Tun sie es nicht, geht die Ortbarkeit der einzelnen Instrumente verloren. Es gibt noch eine Reihe weiterer Probleme, auf die ich hier aus Zeitgründen nicht näher eingehen kann. Deshalb kurzum: Wer erzählt, das komplizierte Zusammenspiel zwischen Verstärker und Box mit vier oder sechs Bauteilen auf der Frequenzweiche in Griff zu bekommen, musste entweder sparen oder ist mit Kompromissen zufrieden.

?: Geben Sie uns ein Beispiel von der Komplexität Ihrer Frequenzweichen?

GN: Gerne. Alleine unsere „kleinste“, die nuBox WS-103, besitzt in ihrer Weiche schon 16 Bauteile. Die gar nicht mal so viel größere nuLine 34 schon 23 und die nuVero 140 sogar 67.

?: Man liest hin und wieder, Bauteile klingen unterschiedlich gut. Stimmt das?

GN: Wenn man auf hochwertige und richtig dimensionierte Bauteile achtet, bekommt man hervorragende Eigenschaften, bei denen die unerwünschten Nebenwirkungen weit geringer sind, als es bei Lautsprechersystemen oder Gehäusen der Fall ist. Durch zu kleine Kernspulen werden jedoch häufig deutliche Verzerrungen hervorgerufen, weil deren Klirrwerte oft schon vor Erreichen der Nennbelastbarkeit des Lautsprechers stark ansteigen. Es gibt auch negative Auswirkungen durch Alterung von Elektrolyt-Kondensatoren, die aufgrund des niedrigen Preises oft auch an den kritischen Stellen einer Weiche eingesetzt werden. Im Laufe der Zeit können sie durch chemische Prozesse ihre elektrischen Werte - und damit die Abstimmung der Box - verändern. Deshalb kommen bei uns nur extrem klirrarme Spulen und fast ausschließlich die ungleich teureren, aber langzeitstabilen Kunststoff-Folienkondensatoren zum Einsatz.

?: Klingt nach Perfektionismus. Warum bauen Sie dann die Chassis Ihrer Boxen nicht selbst?

GN: Von einer In-House-Produktion würden unsere Kunden und wir nicht wirklich profitieren, weil es hochspezialisierte Hersteller gibt, die über ein unglaubliches Know-how in der Fertigungstechnik verfügen und dadurch eine extrem hohe Serienkonstanz anbieten können.

?: Das heißt, Sie kaufen Ihre Chassis von der Stange?

GN: Keineswegs. Das Haus Nubert verbindet beispielsweise eine alte Partnerschaft mit einem weltweit agierenden Chassishersteller. In über drei Jahrzehnten intensiver Zusammenarbeit haben wir nach unseren Vorgaben hunderte Modifikationen und Detaillösungen auf den Weg gebracht und uns sozusagen Maßanzüge anfertigen lassen. Sie können dieses Verfahren mit der Sportabteilung eines Fahrzeugherstellers vergleichen. Statt der Leistungssteigerung bei Motoren gilt bei uns die Devise: Nimm ein gutes Chassis und mach’ ein besseres daraus. So entstand beispielsweise auch der überragende Tieftöner unseres Subwoofers AW-1100.

?: Viele Boxenhersteller setzen verstärkt auf Design. Welche Rolle spielt dieser Aspekt im Hause Nubert?

GN: Wir fühlen uns grundsätzlich dem Bauhaus-Prinzip verpflichtet, wonach die Form der Funktion folgt und da ist der Quader nun mal nach wie vor die ideale Grundform für eine Box. Was man aus diesem Thema aber machen kann, haben wir beispielsweis mit unserer nuLook-Serie eindrucksvoll demonstriert. Mit ihrer aufs Wesentliche reduzierten Optik hat diese Baureihe, die Lautsprecher in 32 Varianten umfasste, seinerzeit mehrere hochrangige internationale Designpreise eingeheimst. In unserer aktuellen Und unsere aktuelle Topreihe nuVero wartet mit dem charakteristischen Klangsegel und der samtigen Nextel-Beschichtung der Seiten ebenfalls mit hervorstechenden Designelementen auf. Ein Musterbeispiel dafür ist, dass Klang und unkonventionelle Formgebung hervorragend miteinander harmonieren können.

?: Können Sie das etwas konkretisieren?

GN: Prägnantes Merkmal der nuVero-Serie ist die geschwungene, über das Gehäuse hinausragende Schallwand. Doch was sich auf den ersten Blick zunächst als ein gelungener optischer Akzent präsentiert, hat vor allem auch handfeste akustische Vorteile. Dabei steckt allein hinter dem Maß, wie stark die Schallwand gebogen sein muss, eine Menge intensiver Forschungsarbeit. Im Ergebnis erleben wir dadurch bei nuVero ein ungewöhnlich gleichmäßiges Abstrahlverhalten und eine beispielhafte Präzision in der Ortbarkeit einzelner Instrumente oder Stimmen.

?: Es fällt ebenfalls auf, dass viele Hersteller ihre Modelle in relativ kurzen Abständen wechseln. Sie ziehen dagegen eher recht lange Produktzyklen vor. Warum?

GN: Prinzipiell gilt hier das gleiche wie zur Designfrage. Wir haben uns noch nie einen Modellwechsel von modischen Strömungen aufzwingen lassen. Bei uns wird ein Modell nur dann ausgetauscht, wenn der Nachfolger auch wirklich besser ist oder in eine technisch verbesserte Familie integriert werden muss. Ganz oft ist es aber so, dass ein bestehendes Modell weiterentwickelt wird. Diese Philosophie zieht sich mit großer Konsequenz als roter Faden durch unsere Modellreihen. Ich könnte jetzt viele Beispiele nennen, besonders eindrucksvoll war es wohl bei der nuBox 360, die insgesamt fünf Evolutionsstufen durchlief, bis sie endgültig vom Nachfolger nuBox 380, dann vom Modell nuBox 381 und schließlich von der aktuellen nuBox 383 abgelöst wurde. Ein guter Wein wird auch nicht dadurch besser, dass er dauernd in neuen Flaschen präsentiert wird.

?: Herr Nubert, vielen Dank für das Gespräch.

Rolf Gückel im Interview mit Günther Nubert